Gedichte und Verse über unseren Club

Dr. Liebe 1911

Für neue Rezepte

 
























Der schöne Sommer ist dahin,

man sitzt nicht mehr draußen, man sitzt wieder drin.

Drum gehn wir nicht mehr zu Dornbusch raus

sondern ziehn wieder um ins Deutsche Haus.

Beim Abendessen ist’s Sitte nun,

auf das Sommerhalbjahr einen Rückblick zu tun.

Wir halten fest an den alten Sitten

drum möcht auch heute ums Wort ich bitten.

Der Sommer, der fing nicht gut an,

wir verloren einen tücht’gen Mann

Tamm (Rektor Alves) (Perma Fehsen) mußte von uns scheiden

denn die Bürgervorsteher wollten nicht leiden,

dass noch länger er den Ort Bevensen führe,

weil er allzu selbstherrlich regiere.

Wir mochten ihn alle gerne leiden

und sehen ihn darum ungerne scheiden.

Haben ihn auch, wie’s sich gehört,

durch ein schönes Abschiedsessen geehrt.

Im Kreise Friedland wohnt jetzt der tüchtige Mann

und lügt dort die Niederlausitzer an.

Am 2. Pfingsttag nach alter Weise

begibt sich der Club auf die Tagesreise,

doch von den Mitgliedern erschienen nur acht,

die anderen haben nicht mitgemacht.

Otto Müller, der weilte schon am Rhein

dort soll der Wein besser im Herzen sein.

Rudolf Hintze, glaub ich, tut sich genieren,

so glaubt nie minder ihn mittieren.

Rudolf v. Cölln hatte Angst vor dem Saufen,

auch hatte er sich in Berlin einen Wolf gelaufen.

Bartling war eben im Harz gewesen

und blieb derhalb hinter seinem Tresen.

und Waldemar Banke, das kleine Sumpfhuhn,

der hatte in Kassel geschäftlich zu tun.

Die anderen fuhren munter los

und die Reise verlief tadellos.

Trotz der allergrößten Hitze

machte der Rektor die faulsten Witze

und ödete uns Mann für Mann

mit entsetzlichen Büttelversen an.

Wir haben’s ihm weiter nicht krumm genommen,

doch einmal hatte er fast Keile bekommen.

Da zog er auf einer Weise, o Graus,

vor den Augen junger Damen, sich halbnackend aus.

Am Tage haben wir tüchtig gesungen

und am Abend kräftig den Becher geschwungen,

die Schönheit von Berg und Tal genossen,

und manchen Tropfen Schweiß vergossen.

Doch da fällt mir plötzlich ein:

Das Abenteuer in Benneckenstein.

Wir kamen dort am Abend an,

waren höchst muksch, alle Mann

und suchten ziemlich angstbeklommen

für alle zusammen ein Unterkommen.

Als wir kamen ins erste Gasthaus hinein,

fing der Wirt nur gleich an zu schrein:

was seid denn Ihr für eine Rasse

und wer hat bei Euch im Club die Kasse?

Wir waren über diesen Empfang geknickt

und haben uns nur stumm angeblickt,

dann tranken still unser Bier wir aus

und dachten, sist gerade wie zu Haus.

List’ge Wirte gibt’s nicht bei uns allein,

es gibt auch solche in Benneckenstein.

Wir wanderten von dannen schnell

und zogen ins Krongringen Hotel.

Wir wurden mit offenen Armen empfangen,

der Inhaber war nämlich pleite gegangen

und ein Jud aus Berlin hat es übernommen,

der hieß uns mit Frau und Mutter willkommen.

Sie war furchtbar nett zu uns allen

besonders am Cantor fand die Alte Gefallen.

Die sah ihn an mit begehrlichem Blick,

der keusche Adolf wich ängstlich zurück.

Doch schien trotzdem bei der Alten

die Liebesgluten nicht zu verkalten.

Und als Riggert sagte, wir wollen weg

hier fehlt’s an Betten, es hat keinen Zweck,

da sprach sie zu unserem Kantor, dem braven,

Sie können ja in meinem Bette schlafen,

da packt den Kantor ein kalter Graus

und er floh entsetzt zur Tür hinaus.

Stürzt wie blind unter’s Publikum

noch heute wird er ganz blaß im Gesicht,

wenn man von der Flucht aus der Synagoge spricht.

Da konnten auch wir nicht länger weilen

und beschlossen schließlich, uns zu teilen.

Wir fanden endlich nach mancherlei Fragen

zwei Hotels, die sich gegenüber lagen.

Zwar waren sie nicht 1 a zu nennen

doch gab es wenigstens Betten zum pennen.

Und auch das Essen war reichlich und gut.

So faßten wir wieder neuen Mut

und beschlossen ins „Schreusel" Concert zu gehn.

Es war denn dort auch ganz wunderschön.

Doch gingen wir alle bald nach Haus,

denn am anderen Morgen mußten wir zeitig raus.

Nur ich, ich konnte mich nicht bezwingen,

ich ging noch mal hin, um das Tanzbein zu schwingen.

Am anderen Tag haben wir dann vernommen,

dass zwischen unseren Hausknechten ist es zum Streit gekommen,

weil jeder behauptet steif und fest:

In seinem Hotel waren die vornehmsten Gäst.

Der unsre hat schließlich schweigen gemußt,

denn der andere warf sich stolz in die Brust

und sagte: diese 3 Herren bei uns, die sind ganz feine,

„Sparkassenbesitzer" ist der eine.

So zogen wir lachend im Sonnenschein

wieder heraus aus Benneckenstein.

Doch ich will nun den Harz verlassen

und will mich etwas kürzer fassen,

da in dem ganzen Sommerhalbjahr

andauernd das schöne Wetter war.

War’s in Medingen abends famos

und es war immer im Club viel los.

Gezecht wurde ganz vorzüglich,

auch die Stimmung war stets sehr vergnüglich,

es wurden noch faule Witze gerissen

und manche Runden wurden geschmissen,

denn „achte um den König" war

kein seltener Wurf in diesem Jahr.

Wir sind in diesem Jahr nach Bienenbüttel per Bahn gefahren.....

ich glaube sicher, den Teilnehmer allen

hat die Tour von A bis Z gefallen.

Unser Ilmenautal ist tadellos

und Meyer’s Gasthaus sind auch famos.

Auch in die ..... sind wir wieder gekommen

und haben zwei neue Mitglieder aufgenommen

(Bürgermeister Pasie und Steingass)

beide sind sie nette Herren

und alle haben wir sie gern.

Den Spielabenden fehlen sie keinen

besonders der eine nicht, der kleine.

Leider hat er einen schwachen Magen,

er kann nur zwölf halbe Liter vertragen.

Eines Mannes möcht’ ich noch gedenken,

und auf ihn Ihre Blicke lenken,

der nun nach des Schicksals Schluß,

wieder von uns scheiden muß.

Rektor Alves heißt der Mann,

der so viel Kartenkunststücke kann,

der gern in Reimen sich bewegt,

gern auch die Leute zum Wetten anregt,

der viel Geld im Skat verliert

und noch immer ganz poussiert.

Wir wünschen ihm, dass er froh und heiter

noch manches Jährchen lebe weiter,

und es auch immer mit ihm geschieht,

dass er stets die richtige Karte zieht.

Meine Herren, ich will jetzt schließen,

wir müssen mal recht wieder was genießen.

Nur einige Worte möcht ich noch sagen

als Schluß von den schönen Sommertagen.

Ob’s draußen regnet oder schneit,

ob Sommer- oder Winterzeit

im Wettersturm wie im Sonnenschein

wollen wir einig auch in Zukunft sein.

Und in unserem Club gelte immerfort

wie bisher das freie Männerwort.

Und wenn uns auch die Philister schmähn,

weil sie es eben nicht besser verstehn,

so machen wir uns da gar nichts draus

sondern trinken unsere Gläser aus.

Auf unserer Club blüh’ und gedeihe

und auf Freundschaft und Freiheit und Fröhlichsein.

 
























 

von Dr. Liebe

Medingen, 28.9.1911

 

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